Weil der Stadt: Beim Narrensprung gab es für Thilo Schreiber nichts zu lachen

Die Anklage: äußerst umfangreich. Die Verteidigung: „Mir hän des ganze Johr nix gschafft, drom hemmir au koine Fehler gmacht.“ Rausreden brachte aber rein gar nichts. Bürgermeister Thilo Schreiber musste wegen zahlreicher Vergehen seinen Schreibtisch räumen. Ab sofort regiert der Siebenerrat.

Wenn die Narren vor der Tür stehen und die Zunft mit dem Rammbock ganz zart ans Tor klopft, dürfte dem Rathauschef schnell klar sein, jeder Widerstand ist zwecklos. Und so ließ er sich ganz brav vom Hexenmeister vor den neuen Boss, also Zunftmeister Daniel Kadasch, geleiten – natürlich fest mit Seilen verschnürt, falls doch noch Fluchtgefahr besteht.
Verdient hat er es. Was er sich alles geleistet hat im letzten Jahr, darf nicht ungesühnt bleiben. „Steuern erhöht und dafür Zuschüsse verpennt“, zum Beispiel. Außerdem waren es ganz eindeutig Fake-News, dass er seinen Dienstwagen dauerhaft abgegeben hat. Vielmehr nutzt er sein Privatauto nur solange die Lieferzeit für den bestellten Präsidenten-Maybach noch nicht um ist. „Die Gewerbesteuererhöhung trifft nur die em Städtle, die ebbes schaffet“, und schlimmer noch, man vertreibt sie damit ins benachbarte Riegger-Land.

Revolutionär dagegen sind die Pläne der Zunft. Steuererleichterungen für alle, die beim Umzug ein Eintrittsbändel kaufen. Das Narrenblatt gilt als Parkschein für all die Handwerker, die unter Bürgermeister Schreiber Sondergenehmigungen beim Unordnungsamt beantragen müssen. Und der Clou: Die Helmut-Riegger-Traffic-Tax, Gebühren für den Verkehr aus und nach Calw.
Der „DuSie“ und seine Susi haben sich aber noch mehr erlaubt, das beweist die Anklageschrift. Das Weinpräsent für die über 75-Jährigen ist gestrichen. „Du trinksch den mit deim Gemeinderat selber“, beschuldigte Zunftmeister Kadasch. Und der absolute Abschuss ist, dass es wieder keine Entwicklungen in Sachen Hotel Krone Post, Baumarkt oder Innenstadtbelebung gibt. „Seit vier Johr klag i des jetzt scho o und nix hat sich do.“

Das Ende vom Lied war für den Bürgermeister das vorzeitige Aus seiner Amtszeit. Unregiert bleibt das Städtle nicht, Zunftmeister Kadasch übernimmt die Geschäfte: „Wir stürzen dich jetzt von deinem hohen Ross, in Weil der Stadt bin ab sofort ich der Boss.“

Text und Fotos: Christine Strienz
strienz@presseschiel.de
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