Neujahrsempfang in der Weil der Städter Quamar Moschee

Es ist schon eine gute Tradition, der auch in diesem Jahr wieder Vertreter aus Weil der Stadt, Leonberg und Calw gefolgt sind. Und es ist auch der Eintritt in eine andere Welt. Dicke Teppiche dämpfen den Schall, der Imam singt ein Gebet, es ist ein warmherziger und offener Empfang, der den Gästen zuteil wird.

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft hat in Weil der Stadt, Renningen und Leonberg rund 160 Mitglieder und engagiert sich für das soziale Miteinander: Bäume werden gepflanzt, als Zeichen von Respekt und Loyalität, an Neujahr räumen die Gläubigen den Silvestermüll weg und am 3. Oktober öffnen die Ahmadiyya Moscheen ihre Pforten.

In Waiblingen ist Ende letzten Jahres der Grundstein für eine neue Moschee gelegt worden. Die Gemeinde Ahmadiyya Jamaat legt Wert darauf, Teil der Gesellschaft zu sein. Betont wird vor allem ein friedlicher Islam, der sich liberaler und offener gibt als andere muslimische Glaubensrichtungen. Muslim-Experten schwanken allerdings zwischen der Bezeichnung Sekte und menschenfreundlichem Reform-Islam.

Vor allem die Entwicklungen des vergangenen Jahres hätten den Umgang miteinander nicht erleichtert, erklärte Imam Thassin Rasheed zu Beginn seiner Begrüßung. Dem müsse mit Friedfertigkeit und Dialog begegnet werden. Die Ahmadiyya Muslime bekennen sich loyal zu Deutschland und haben zuletzt vor allem in der Flüchtlingsbetreuung wichtige Aufgaben übernommen. Was nötig sei, so der Imam, sei vor allem mehr Information, die Ahmadiyya Muslime seien oft auf den Wochenmärkten unterwegs, in der Moschee stehen Infowände.

Weil der Stadts Erste Beigeordnete Susanne Widmaier bedankte sich bei den Gläubigen für die Unterstützung in der Flüchtlingsarbeit und die kooperative Gemeinschaft. „Wenn die Türen offen sind, kann sich keine Angst breitmachen, und das zeichne das Miteinander in Weil der Stadt aus.“ Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler erinnerte an die Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“. Trotz des guten Miteinanders dürfe man die Befürchtungen von Teilen der Gesellschaft nicht ignorieren. „Das beginnt mit der Fremdheit der Kleidung, dem muss man sich stellen. Antworten gibt es nur im Dialog“. Sein Appell: nicht aufzuhören mit der Suche nach dem Einenden unter den Religionen und die Hoffnung in die Gemeinsamkeiten zu setzen.

Besonders eindrucksvoll, wie man sich aufeinander zubewegen kann, zeigte ein Vertreter der Bürgerinitiative „Heumaden aktiv“ in Calw: In dem Ortsteil leben rund ein Drittel Muslime und es zeige sich, dass es im Islam viele Richtungen gebe, die nicht alle in einen Topf gehörten. Differenzierung und Dialog seien umso wichtiger.

Zum Abschluss des Abends gab es pakistanische Spezialitäten vom Grill. Viele verließen die Moschee erst im Dunkeln. Mit vielen Gedanken im Kopf, was denn das neue Jahr bringen mag. „Liebe für alle, Hass für keinen“, zu gerne möchte man an diesem Abend daran glauben.

Text/Fotos: Ute Stabingies
stabingies@presseschiel.de
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