Tausend Unterschriften für den Naturschutz

Noch muss sich der Greutterwald damit zufriedengeben, nur ein „Teilzeit-Naturschutzgebiet“ zu sein - die Initiativgruppe Greutterwald (IGG) kämpft jetzt aber dafür, dass daraus ein „Vollzeit-Naturschutzgebiet“ wird und der Pendlerverkehr im sogenannten Vicinalweg morgens und nachmittags nicht länger erlaubt ist.

Neben Transparent-Aktionen in der Grefstraße in Weilimdorf und nahe den Firmenparkplätzen an der Marconistraße in Zuffenhausen (wir berichteten) gehörte dazu in den vergangenen Wochen auch eine Unterschriften-Aktion. Sie sollte den einstimmigen Beschlüssen des Bezirksbeirats Weilimdorf Nachdruck verleihen, den Vicinalweg für den motorisierten Verkehr zu sperren.

Mehr als tausend Menschen unterzeichneten diese Forderung im Sinne des Naturschutzes - genau waren es 1.040. Vertreter der IGG übergaben die Listen im Stuttgarter Rathaus. Dass das Thema Greutterwald nicht nur die unmittelbaren und vom Durchgangsverkehr betroffenen Anwohner bewegt, zeigt die Herkunft der Unterschriften. Mehr als 70 Prozent stammen von Menschen aus anderen Wohngebieten, sei es in Weilimdorf, Feuerbach, Zuffenhausen oder vor allem auch in Korntal. Sie alle machen sich für den Schutz des Waldgebietes stark. Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem, dass sich auf den Listen die Namen von 17 Mitgliedern des Stuttgarter Gemeinderats finden.

Bau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold empfing die Initiativgruppe in seinem Dienstzimmer. „Er wollte den morgendlichen Termin wohl zügig und im Stehen abwickeln“ mutmaßt Peter Berg, Initiator der bisherigen Aktionen. Zeit, seinen fünf Gästen einen Sitzplatz für das 30-minütige Treffen anzubieten, habe er jedenfalls nicht gefunden.

Beim Entgegennehmen der Unterschriften habe der Grünen-Politiker erklärt, dass er den Greutterwald durchaus kenne und dass ihm auch die Verkehrsprobleme im Zuge der Porsche-Erweiterung bewusst seien, berichtet Berg weiter. Andererseits gebe es eben einen Vertrag, der das Durchfahrtsrecht auf dem Vicinalweg garantiere. Berg wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadt ein Kündigungsrecht hat, zum Beispiel bei „dringenden öffentlichen Gründen“, wie es in dem Dokument aus dem Jahr 1963(!) heißt. Der Vertreter der Ini­tiative gab zu bedenken, ob Natur- und Artenschutz nicht genau so ein dringender öffentlicher Grund sei. Pätzold erwiderte, dass die Verwaltung das prüfe. Das gelte auch für die juristische Frage, ob sich Porsche überhaupt als Rechtsnachfolger der Firma SEL betrachten darf mit der der Vertrag seinerzeit abgeschlossen wurde und so die Werks­anbindung per Vicinalweg verlangen darf. Ein Anwalt aus den Reihen der Gruppe widersprach diesem Ansinnen vehement - das Durchfahrtsrecht von vor fünfzig Jahren könne unmöglich von SEL einfach auf Porsche übergehen, hierzu müsste ein neuer Vertrag mit der Stadt geschlossen werden.

Hauptsächlich ging es bei dem Besuch der Vertreter der IGG im Rathaus aber um den löchrigen Naturschutz im Greutterwald, beispielhaft aufgezeigt an überfahrenen Kröten und Fröschen im Vicinalweg - also genau jene Amphibien, deren Überleben durch die Verordnung des Regierungspräsidiums und der Landeshauptstadt Stuttgart von 1984 eigentlich gesichert werden soll.

Problematisch sind nach Meinung der Initiativgruppe noch weitere Aspekte. So schade das seit Jahren praktizierte Ausbringen von tonnenweise Gülle auf den Streuobstwiesen der Pflanzenvielfalt, und das Schreddern von Totholz zerstöre Lebensraum von Insekten und Vögeln.

„Wir müssen das Naturschutzgebiet Greutterwald besser schützen“, so der Appell an Bürgermeister Pätzold. Es gehe darum, im industriell ohnehin belasteten Stuttgarter Norden eine Frischluftschneise und einen Naherholungsraum zu bewahren. Trotz eines S-Bahn-Halts direkt auf dem Porsche-Gelände einen Waldweg als schnelle und bequeme Zufahrt offen zu lassen, widerspreche auch den ökologischen Bekundungen der Grünen-Stadtverwaltung, Pendlerverkehr einzudämmen, Bus und Bahn Vorrrang zu geben und Radfahren zu fördern - gerade letzteres sei im Hinblick auf die Autokolonnen im teils engen Wohngebiet und im schmalen Vicinalweg alles andere als risikofrei, vor allem für Kinder.

Von der halbstündigen Begegnung mit Peter Pätzold bleibt aus Sicht der Initiativgruppe Greutterwald die Ankündigung des Bau- und Umweltbürgermeisters, das eine oder andere Argument in die weiteren Diskussionen einfließen zu lassen. Konkreter sei Pätzold nicht geworden, so Berg. Ob das reicht, dem Naturschutzgebiet Greutterwald endlich 24 Stunden am Tag gerecht zu werden, wird sich laut IGG noch zeigen müssen.
Foto: privat
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