Weil im Schönbuch: Große Hauptübung von Freiwilliger Feuerwehr und DRK läuft reibungslos


 

Zwei Unglücksfälle an einem Tag

Vergangenen Samstag heulten die Sirenen auf Weils Hauptstrasse. Das Szenario: Schwerer Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten. Doch damit nicht genug, die Brandbekämpfer hatten es zusätzlich mit einem verrauchten Treppenhaus in der Genossenschaftsbank zu tun. Schwerstarbeit für die Retter von DRK und Feuerwehr mit glücklichem Ausgang. Der Blick in die Zukunft ist für die Führung der Feuerwehr allerdings etwas getrübt.

Kurz nach der Alarmierung durch einen Zeugen des Unfalls rückten bereits die ersten Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an und verschafften sich einen Überblick. Aus der Charlottenstrasse kurz vor der Kreuzung bei der Genoba fuhr ein landwirtschaftliches Fahrzeug in die Hauptstrasse ein. Die große Haltevorrichtung bohrte sich dabei in einen PKW, klemmte eine Person ein, beiden Insassen wurden dabei verletzt. Im Fachjargon ein sogenannter 1VU.
Während das DRK die Verletzten notfallmedizinisch versorgte, sicherten die eintreffenden Einsatzkräfte der Feuerwehr die Umgebung, sorgten für ausreichend Licht und holten die beiden Verletzten aus dem Fahrzeug. Dabei mussten die Scheiben des Kombis eingeschlagen, und das Fahrzeug mit einer Spezialschere aufgeschnitten werden. Die Kommandos kommen direkt und klar, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Rettungsdiensten klappt reibungslos. Dabei hat der Gruppenführer der Feuerwehr mit seiner blauen Rettungsjacke in dieser Situation das Sagen, ergänzt um den Zugführer in der grünen Weste. Nach der Bergung und dem Abtransport der Verletzten entspannen sich die Gesichtszüge der Einsatzkräfte. Obwohl nur ein Unglücksszenario simuliert wurde, gehen die Retter konzentriert an die Sache heran.
Kurz danach gehen die knapp fünfzig Funkmelder der Gesamtwehr Weil im Schönbuch mit ihren Abteilungen Breitenstein und Neuweiler erneut los. Der Text im Display des Pieper lässt nichts Gutes erahnen: Gesamtalarm 2BI, was eine zweite Brandstufe innerorts bedeutet. Im Keller der Genossenschaftsbank ist ein Feuer ausgebrochen, der Fluchtweg über das Treppenhaus abgeschnitten und die Angst der Menschen im Gebäude groß.
Der Parkplatz der Bank füllt sich innerhalb von Minuten mit Einsatzfahrzeugen. Schläuche werden entrollt, Spezialwerkzeug bereitgestellt und ein Sprungkissen aufgeblasen. Währenddessen macht sich ein Rettungsteam mit Atemschutz bereit, die im Gebäude eingeschlossenen Menschen zu retten. Die Sicht ist nahezu bei null, die Ausrüstung schwer und die Sicht der Feuermänner eingeschränkt. Der Funkverkehr zwischen den Einsatzteams ist dumpf zu hören, die Hilfeschreie der Menschen werden lauter. Permanent wird die Einsatzleitstelle über den Stand der Rettung informiert, ein Feuerwehrmann dokumentiert den gesamten Einsatz.
Im zweiten Stock kämpfen zwei Retter mit den Unzulänglichkeiten eines Büroarbeitsplatzes. Die zu rettende Person muss über das Fenster auf einer Rettungsliege nach unten abgeseilt werden. Der Computer steht dabei im Weg und die Büropflanze sollte den nächsten Tag noch erleben. Bei einer Übung müssen eben auch Nebensächlichkeiten beachtet werden.
Kurz darauf meldet die Feuerwehrleitung „Einsatz beendet“. Das Gebäude wird mittels grossen Ventilatoren entraucht und ohne Beschädigungen an die beiden anwesenden Vorstände der Bank übergeben. Die Bankgeschäfte können am Montag reibungslos weitergehen.
Bei aller Freude über die gelungene Übung mischt sich beim Gesamtkommandanten der Wehr, Markus Schimpf etwas Unbehagen. Die Feuerwehr Weil ist personell zwar ausreichend besetzt, doch mit Blick auf die Feuerwehren im Land wird es dem Chef der Brandbekämpfer etwas mulmig. „Wir haben eine tolle Feuerwehr, sind technisch hervorragend ausgestattet und haben auch bei der Jugendfeuerwehr eine prima Mannschaft zusammen“, so Schimpf. Für seinen Verantwortungsbereich verzeichnet er einen leichten Zuwachs. Die Herausforderungen beginnen im Alter von Mitte zwanzig bei den Aktiven. „Dann beginnt die berufliche Laufbahn oder auch das Studium“, berichtet Schimpf. Die geforderte Mobilität stellt die Planer zusätzlich vor Probleme. Viele wechseln den Wohnort und sind dann nicht mehr für den Dienst am Wasserschlauch verfügbar. Bei immer mehr Feuerwehren sinkt die Personaldecke, immer weniger Frauen und Männer wollen einen großen Teil ihrer Freizeit dem Dienst an der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Das Modell der Freiwilligen Feuerwehren wird in den nächsten Jahren auf den Prüfstand kommen müssen, noch bevor die tägliche Einsatzfähigkeit zum Problem werden kann. Am wenigstens können die Feuerwehrfrauen und Männer dafür.
Für die nächste Hauptübung ist außerdem eine weitere Neuerung vorgesehen. „Unsere Feuerwehr, sowie das DRK wird nach der Übung von der Gemeinde zum Essen eingeladen“, entschied spontan Bürgermeister Wolfgang Lahl bereits kurz nach der Übung. Die Anerkennung der Gemeinde ist für die Lebensretter vorhanden. Es fehlt nur noch die Anerkennung der Gesellschaft in Form von noch mehr aktiven Feuerwehrfrauen und Männern. (mac)
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