Weil im Schönbuch: Enormer Besucherandrang beim Waldweihnachtsmarkt an der Weiler Hütte

 

Waldweihnachtszauber


Am vergangenen Wochenende wurde aus der Weiler Hütte mit viel Gefühl und noch mehr Arbeit der Waldweihnachtsmarkt. Tief im Wald entsteht seit dem Jahr 2003 an zwei Tagen am vierten Advent unter der Regie des Vereins für Heimatpflege aus Weil im Schönbuch ein mehr als stimmungsvoller Weihnachtsmarkt.


Vermeintlich könnte man meinen, dass bei so einem wunderbaren Umfeld mitten im Wald nahezu jeder Weihnachtsmarkt erfolgreich sei. Doch das wäre zu einfach und würde den Bemühungen der beiden Familien Hiller nicht gerecht werdem. Im Organisationsteam sorgt Gerlinde Hiller seit vielen Jahre für die passende Auswahl der Stände, ihr Sohn Jochen ist zuständig für den Ablauf des zweitägigen Spektakels rund um die Weiler Hütte. Das Team von Eberhard Hiller, nicht verwandt oder verschwägert, umsorgte die Gäste mit Leckerem aus Topf und Pfanne.
Die Veranstalter sprachen von knapp 5.000 Besuchern, die sich auf den Weg in den Wald machten und dort an über vierzig Marktständen allerhand Wunderbares entdecken konnten. Keine massenhafte Handelsware verführte zum Kauf, sondern individuelle Produkte aus der heimischen Werkstatt wurden feil geboten. Am Stand von Kirsten Stiegler bekamen die beliebten Kaffee-Alukapseln ein zweites Leben geschenkt. Als Anhänger, Brosche oder auch Tasche werden die bunten Kapseln unter dem Weihnachtsbaum liegen. „Hier ist es einfach wunderbar, die Atmosphäre stimmt und die Besucher sind sehr interessiert. Ich freue mich auf nächstes Jahr“, so die Rottenburgerin, die das erste Mal dabei war.
Für die kleinen Besucher gab es im liebevoll geschmückten Keller der Weiler Hütte die Geschichte der Feenkönigin zu hören, ein historisches Karussell machte Lust auf einen Ritt auf dem Elefanten und im Dachgeschoss der Hütte wurde eifrig an Anhängern und Tischlichtern gebastelt. „Unter den vielen Besuchern sind auch viele Familien mit Kindern, das freut uns natürlich sehr“, so ein hochzufriedener Jochen Hiller, zum vollkommenen Glück fehlte nur der Schnee.
Ein strahlendes Lachen hatte auch das Verkaufsteam der Weiler Gemeinschaftsschule im Gesicht stehen. Die Klassen 7 a, b und c verkauften an ihrem Stand leckere Waffeln und sorgten so für eine volle Reisekasse. Im nächsten Jahr soll es nach Sylt zur Klassenfahrt gehen.
Ein Shuttle-Service sorgte für einen koordinierten Besucherfluß und die Landesstraße wurde eigens während der beiden Tage zur Einbahnstraße umfunktioniert. Trotz der Flut an Weihnachtsmärkten können durchdachte Konzepte funktionieren, der Waldweihnachtsmarkt ist ein Beispiel dafür. Im nächsten Jahr bleibt der Platz um die Weiler Hütte jedoch leer. Der vierte Advent fällt auf den Heiligen Abend, auch da bleibt die Familie Hiller konsequent. (mac)



Der Kommentar:

Welchen Weg?



Mitten im Schreiben des Artikels über den wundervollen Waldweihnachtsmarkt rund um die Weiler Hütte kamen die Meldungen über den Anschlag in Berlin über die Nachrichtenticker. Unweigerlich wurde die Atmosphäre an unserem weihnachtlich dekorierten Schreibtisch kalt und traurig. Traurig über die vielen Opfer und Verletzten und fassungslos über das Gesehene. Aber auch mit dem nötigen journalistischen Abstand zum Ereignis um die Berichterstattung der Kollegen richtig einzuordnen. Bereits kurz nach den ersten Meldungen der Nachrichtenagenturen, die anfangs noch von einem Unfall sprachen, nutzten einige Politiker den Vorfall umgehend, um die Stimmung anzuheizen. So sprach der AfD-Europapolitiker und Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell bei Twitter: „Wann schlägt der Deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!“
Welches Gedankengut tragen Menschen in sich, die kurz nach einem solchen schmerzhaften Unglück, versuchen aufzustacheln und Schuldige zu suchen? Kein Wort des Mitgefühls oder der Trauer finden sich auf seinem Profil. Das war mein zweites Entsetzen an diesem gemütlich begonnenen Abend.
Auch wenn sich bei Redaktionsschluss die anfangs befürchteten Umstände bestätigten, dass es ein geplanter Anschlag war, müssen wir bedächtig handeln. Die Lösungen der Populisten sind einfach und verlockend, in einer Lage der Welt, wie sie komplexer und undurchsichtiger nie war. Welchen Weg sollen wir nun einschlagen, was ist die richtige Reaktion auf diesen Anschlag? Mit dem Wissen um die Vergangenheit, fussend auf menschlichen und christlichen Werte bleibt nur eine Lösung: die Gewaltspirale nicht zu befeuern. Konflikte im Namen des Glaubens werden unser Verderben sein, egal ob auf den Fahnen der Krieger das Kreuz prangt oder der Koran im Gepäck verstaut ist.
Neben der Fassungslosigkeit, wie Menschen solche Taten begehen können, steigt auch unbändige Wut in mir auf. Wut über das laute Agitieren verantwortungsloser Politiker.
Warum ist kein friedliches Zusammenleben der Kulturen und Religionen möglich? Warum lernen wir nichts aus der Vergangenheit? Diese und viele andere Fragen werden mich über die Weihnachtstage begleiten. Ich werde viele Geschenke machen und werde ebenfalls viele liebevolle Geschenke erhalten. Dabei wird das Leid der Menschen in Aleppo, der Türkei und in den vielen weltweiten Krisenherden kurz in den Hintergrund rücken. Auch das ist menschlich.

Mit den Wünschen für eine friedvolle Welt, überall und für alle Menschen. Egal welcher Hautfarbe, Religion oder politischer Gesinnung.

Markus Schwarz
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