Schönaich: Volker Rost berichtet in Bildern und Worten über seine Reise quer durch Syrien

Husan (links) und Baschir

Schönaich: Volker Rost berichtet in Bildern und Worten über seine Reise quer durch Syrien

Das Jahr 2006 stand im Fokus der Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland feierte ausgelassen und hieß Gäste aus aller Welt willkommen. Der Schönaicher Volker Rost befand sich im damaligen Sommer auf einer Rundreise durch Syrien. Das Land zwischen dem Libanon, der Türkei, des Iraks und Israels steht seit 1970 unter der Herrschaft der Assad-Familie und erlebte im Jahr 2000 durch die Übernahme des Präsidentenamtes von Baschar-al-Assad eine zarte Annäherung an den Liberalismus. Diese sollte jedoch nur wenige Jahre Bestand haben. Das Land ächzt seitdem unter der Last von religiösen Fanatikern und wird zerrieben von weltwirtschaftlichen Interessen, deren Gründe für viele im Verborgenen bleiben. Die furchtbaren Ergebnisse dieser religions- und dogmenbehafteter Politik spüren wir seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 auch in Deutschland.

“Ich wunderte mich bereits damals über die vielen jungen Menschen und zahlreichen Kinder, und fragte mich wie sich das Land um all diese Menschen kümmern will”, so Volker Rost rückblickend. Mit einer Reisegruppe befand sich der Schönaicher Ehrenamtspreisträger auf den Spuren des Christentums und hatte dabei die Archäologie im Fokus. “Syrien ist unglaublich reich an Bauwerken unschätzbaren Wertes”, so Rost der sich angesichts der Geschehnisse umgehend verbessert, “war unglaublich reich”.
Mit drei Flüchtlingen sitzt er an diesem Abend in einem Gemeinschaftsraum der Unterkunft in der Mahdenwiesenstraße und berichtet den Syrern von seiner Reise in die Heimat der Drei, einem lebendigen und lebenden Syrien.
Über Aleppo ging es nach Hama und weiter nach Palmyra und Bossra. Besondere Städte, in denen das Leben tobte und sich wunderbar mit der Geschichte und Vergangenheit durchmischte. “Im Ort Maalula feierten Christen und Moslems gemeinsam die jeweiligen Feste”, berichtet Volker Rost und erinnert sich an die Stadt, in der die Hälfte der Einwohner Christen waren. In Aleppo konnte er in der Nacht auf den Freitag nicht schlafen. “Die Menschen feierten ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden”. Die beiden Syrer Husen und Baschir, die an diesem Abend den Bildervortrag interessiert verfolgen, lachen dabei lauthals. Die Erinnerungen der Beiden an diese Zeit ist noch sehr präsent. “Mein Herz schmerzt, wenn ich diese Bilder sehe”, wird der 44-jährige Baschir jedoch jäh in die Gegenwart gerissen. Seit eineinhalb Jahren lebt er in Deutschland. Sein linkes Ohr ist seit einem Bombenanschlag stark in Mitleidenschaft gezogen, sein Kopf schmerzt und die Sehnsucht nach seiner Familie in Damaskus lässt ihn nächtelang wach liegen.
Die deutschen Sätze von Husen kommen überlegt und konzentriert. Man spürt deutlich wie der 22-jährige sich darum bemüht, die Sprache seines Gastlandes grammatikalisch richtig zu sprechen. Er verbessert sich selbst und lächelt dabei. “Es gab früher keine Probleme in Syrien. Alle haben friedlich zusammengelebt”. Husen kam ebenfalls vor eineinhalb Jahren nach Deutschland. Seine Eltern und seine Schwester leben noch in Damaskus. “Es geht ihnen gut”. Seine Augen sagen jedoch etwas anderes. Der jüngere Bruder lebt auch in Deutschland, beide mussten vor dem Islamischen Staat flüchten.
Er wird eine Ausbildung zum Altenpfleger im Haus Laurentius beginnen. Volker Rost hat ihm geholfen, im deutschen Bürokraten-Dschungel die notwendigen Stempel und Unterschriften zu bekommen. Die nächsten vier Jahre wird er in einer Klasse von Migranten und Flüchtlingen in der Kolping-Pflegeschule in Stuttgart viel lernen. Nachdem ihm Volker Rost am Abend von der freudigen Nachricht erzählt hatte, füllen sich seine Augen mit Tränen. “Ich werde eine Ausbildung machen? Oh mein Gott.” Der Bilderabend hat den Flüchtlingen geholfen, sich an ihre Heimat zu erinnern. Auch wenn diese Erinnerungen teilweise schmerzlich waren. (mac)
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