Mönsheim: Literarischer Abend brachte „Schaurig-schönes “ Vergnügen

 

Seinem Motto „Schaurig schön“ wurde der literarische Abend an der Gemeinschaftsschule Heckengäu eindeutig gerecht: mit Liedern, Texten und einem Theaterstück lehrten die Akteure ihre zahlreich erschienenen Gäste schnell das Gruseln.

Schüler der Sekundarstufe hatten zusammen mit den Lehrerinnen Julia Breisacher, Katrin Celisi und Karin Winter in die Alte Schulturnhalle auf dem Appenberg eingeladen – und das Programm vorbereitet.
Im Mittelpunkt des Bühnen-Spektakels stand die Figur von Peter Munk aus Wilhelm Hauffs märchenhafter Erzählung „Das Kalte Herz“. Ein Jugendlicher, der in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters treten soll. Ein Köhler. In der Welt des Märchens kein angesehener Beruf. Und der Verdienst ist nicht der größte. Nur menschlich also, dass Peter von mehr träumt.
Und so kommt er auf die Bühne – mal gespielt vom einen Darsteller, mal gespielt von der anderen Darstellerin. Im Grunde trägt jeder ein Stück von ihm in der Seele. Im abgelegenen Schwarzwalddorf misst sich Peter an den Erfolgreichen. Und sein Neid wird immer größer. So lässt er sich schließlich auf den teuflischen Pakt mit dem Geist des schaurigen Holländer-Michels ein. Prompt wird er reich und kann zum ersten Mal im Leben so richtig teilnehmen. Die Zuschauer gehen emotional mit. Sie freuen sich für den Jungen und auf der Bühne ist ein lustiges Treiben zu sehen: die Dorfbewohner beim Sonntagstanz, Kartenspiel, Gelächter. Das pralle und bunte Leben.

Die szenische Erzählung wird immer wieder unterbrochen. Es sollte spannend bleiben. Und schaurig, denn das ist die Grundstimmung in Hauffs Geschichte. Dafür wurden nach jeder Spielszene die Scheinwerfer zunächst auf die Vorderbühne gerichtet, wo kleine, vom Märchen losgelöste, ästhetische Impulse auf nachfolgend gelesene Texte vorbereiteten. Es waren Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn, die mit ihren Deutschlehrern unterschiedliche, gruselige und zum Teil schwierigere Texte einstudiert hatten und diese – von einer separaten Lesebühne aus, gut hörbar und immer wieder in beeindruckender Weise interpretiert – vortrugen.
Musikalisch wurde das Programm vom Unterstufenchor umrahmt, der unter der Leitung von Thomas Ungerer ein kleines und feines Repertoire an gespensterhaften Liedern eingeübt hatte. In der Pause gab es Getränke und einen leckeren Theaterimbiss, den die MUM-Gruppe der Klassenstufe 7 mit ihrer Lehrerin Hannah Ulshöfer vorbereitet hatte. Nur um den Kohlenmunk-Peter stand es in der Zwischenzeit nicht mehr zum Besten. Er verprellte seine Familie, verspielte sein Geld und hatte zusammen mit seinem Herzen alle Menschlichkeit verloren. Da half eigentlich nur noch ein Wunder, das dieses schlimme Blatt gewendet hätte. Aber das geschah nicht.
Der Peter auf der Bühne wälzte sich im Fieber und es träumte ihm von den Toten am Mummelsee. Bis schließlich das Glasmännlein wieder aus dem – wunderbar mit Requisite dargestellten – Tannenwald hervorkam. Auch wenn dieser kleine Geist nicht die Macht hatte, Peters Herz zurück zu zaubern, er hatte doch den besten Rat: Benutze deinen Verstand! Gehe zum Holländer-Michel. Sei schlau und mutig und es wird Dir gelingen.

Die Schüler der Klassenstufe 6 hatten im Deutschunterricht die Erzählung vom Kalten Herzen erarbeitet. Gemeinsam mit ihren Theaterlehrerinnen Julia Breisacher und Karin Winter entwickelten sie daraus eine Bühnenversion, die eindrucksvoll zeigte, was Schüler im darstellenden Spiel ausdrücken können.
An der Gemeinschaftsschule Heckengäu ist Theaterunterricht, neben Musik und Bildender Kunst, ein eigenständiges künstlerisches Schulfach für die Klassen 5 und 6. Alle Schüler haben hier die Gelegenheit, szenisches Lernen zu vertiefen und den Prozess ihrer Persönlichkeitsbildung durch wertvolle Bühnenerfahrung zu bereichern. Dass auch das gelingt, das hat der „Literarische Abend“ bewiesen.
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