Thaer Al Kahwaji aus Syrien ist ganz in Magstadt angekommen

Wenn der aus Syrien stammende Thaer Al Kahwaji durch Magstadt läuft, passiert es ihm nicht selten, dass vorbeifahrende Autos hupen und ihm die Insassen zuwinken. Auch wird der 29-Jährige von immer mehr Menschen freundlich gegrüßt, wenn er im Ort unterwegs ist. „Das ist sehr schön“, sagt Thaer Al Kahwaji und strahlt.

Seit gut zwei Jahren ist der 29-Jährige, der früher in der syrischen Millionenstadt Damaskus gelebt hat, in Deutschland. Er macht inzwischen nicht nur eine Ausbildung zum Fleischer mit der Fachrichtung Feinkost und Konserven bei der Metzgerei Raith. In seiner neuen Heimat, in der seit kurzer Zeit auch seine Eltern und Geschwister leben, gehört er inzwischen auch als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr an und hat jüngst mit der Ausbildung zum Feuerwehrmann begonnen. Fast drei Jahre wird diese dauern, bis er die Bezeichnung Truppmann führen darf.

Zu Einsätzen mit ausrücken darf Thaer Al Kahwaji aber wohl bereits in wenigen Monaten, wenn er den ersten Block der Grundausbildung erfolgreich absolviert hat. „Darauf freue ich mich schon sehr“, so der neue Magstadter Feuerwehrangehörige, der mit zwei weiteren Kameraden bei der jüngsten Hauptversammlung offiziell in der Wehr aufgenommen wurde.

Wäre sein Chef, Metzgermeister Frank Raith, nicht selbst aktives Mitglied bei der Feuerwehr – der 29-jährige hätte den Weg zu der Hilfsorganisation vermutlich nicht gefunden. Weil er aber neugierig nachfragte, wo sein Chef nach eingegangenen Alarmen hin und wieder in Windeseile hineilte, lud ihn dieser dazu ein, die Feuerwehr kennenzulernen. Aus dem Reinschnuppern wurde dann mehr. „Das war eine tolle Sache“, sagt der junge Mann, der aus dem Bürgerkriegsland über Libanon, Ägypten, die Türkei, Griechenland und Italien nach Deutschland und hier nach Stuttgart gekommen war. Zwei Jahre dauerte seine Flucht aus Syrien, bevor er im Frühjahr 2014 sein Wunschziel erreicht hatte. Dass er damals nach Stuttgart wollte, hatte einfachen Grund: „Dort lebte ein Freund von mir“, sagt Thaer Al Kahwaji. Von Stuttgart aus kam er in die Landeserstaufnahmestelle nach Karlsruhe. Danach führte ihn der Weg dann in eine Unterkunft nach Malmsheim – und schließlich nach Magstadt. Mitte 2014 erhielt Thaer Al Kahwaji eine für drei Jahre gültige Aufenthaltsgenehmigung.

Dass er einen Ausbildungsplatz bei der Metzgerei Raith erhalten hat, freut den 29-jährigen ungemein. „Ich habe dem Ehepaar Raith sehr viel zu verdanken“, sagt er. Auch wenn er die erste Begegnung dem eigenen Engagement zu verdanken hat. Weil er nicht nur in seiner Unterkunft sitzen, sondern arbeiten wollte – „ich bin es nicht gewohnt, immer alleine zuhause zu bleiben“ –, machte sich Thaer Al Kahwaji auf die Suche nach möglichen Jobs und erkundigte sich, ob es in Magstadt Möglichkeiten gibt, zu arbeiten.

Als er, nach dem Hinweis einer Rathausmitarbeiterin, bei der Metzgerei Raith anklopfte, bekam er dort zunächst einen Minijob. Dieser führte ihn dann in das jetzt bestehende Ausbildungsverhältnis – und eben auch zur Freiwilligen Feuerwehr.

Im Kreis seiner neuen Kameraden fühlt sich Thaer Al Kahwaji nach eigenen Worten sehr wohl. Er sei von Anfang an mit offenen Armen und freundlich empfangen worden, erzählt er. Anfangs habe er sich noch Sorgen gemacht, ob er den Anforderungen gerecht werden können, da er – trotz mehrerer Deutschkurse – die hiesige Sprache noch nicht perfekt spreche. „Mir wurde aber von vielen Seiten Hilfe angeboten“, sagt der 29-Jährige. Dass er sich gerade in einer Organisation wie der Feuerwehr engagieren möchte hat für den Syrer einen einfachen Grund: „Ich habe in Deutschland so viel Positives erfahren. Ich möchte dem Land gerne etwas zurückgeben.“

In Syrien hatte er nach dem Abitur zu studieren begonnen, das Studium dann aber abgebrochen. Zuletzt hatte er als Monteur Antennenfunkmasten für den Mobilfunk auf Häusern installiert.

Seit seiner Ankunft in Deutschland hat Thaer Al Kahwaji nicht nur seine Sprachkenntnisse ausgebaut, er hat – weil die Qualifikationen aus Syrien nicht anerkannt wurden – auch den Hauptschulabschluss nachgemacht. Der Erwerb des Führerscheins steht als nächstes auf der Wunschliste des Syrers. Gerne möchte er zudem in Magstadt eine eigene Familie gründen.

Den Winter hat Thaer Al Kahwaji bisher als „sehr extrem“ wahrgenommen – in Damaskus sinke die Temperatur höchsten knapp unter den Gefrierpunkt. Neben Freunden, zu denen er mittels Facebook und anderen digitalen Angeboten Kontakt hat, vermisst er vor allem das Essen aus seiner Heimat. „Denn das ist bei uns viel abwechslungsreicher.“

Von Ralf Recklies
recklies@presseschiel.de
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.