Helfer im Kampf gegen den Herzstillstand

Sie haben das Gerät mit dem Namen „HeartSine“ in seinen Behälter gelegt (v.l.): Der zweite Ortsvorsitzende des DRK Rüdiger Trautmann, Oberbürgermeister Klaus Heininger, der Sicherheitsbeauftragte des Rathauses Alexander Nägele und der Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes Thomas Ruckh.

Und plötzlich wird es einem schwarz vor Augen. Wer einen Herzstillstand erleidet, der ist auf die schnelle Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen. Um während der Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes die medizinische Erstversorgung zu ermöglichen, hängt seit dieser Woche ein Defibrillator an der Nordwand der Schlossapotheke. Das Gerät kann im Notfall Herzstillstandopfern das Leben retten.

„Man kann nichts falsch machen“, versichert der Eislinger Oberbürgermeister Klaus Heininger. Die Idee am Zentralen neuen Stadtplatz einen Defibrillator aufzustellen, habe er schon lange gehabt. In der Stadthalle und im Hallenbad gebe es bereits ähnliche Geräte. Der neue Stadtplatz sei ein zentraler Ort, der täglich von vielen Menschen - beispielsweise auf dem Weg vom oder zum Bahnhof - beschritten werde. Daher sei das Gerät hier an der richtigen Stelle in der Stadt.
Bei einem Notfall kann der Defibrillator durch drehen des Behälters herausgeholt werden. Wenn der Behälter aufgeschraubt wird, ertönt ein Alarmsignal, das weitere Passanten auf die Notsituation aufmerksam machen soll.

Zuerst den Notarzt rufen


Der Defbrillator ist in einer kleinen Tasche. Nach dem Betätigen des Startknopfes gibt das Gerät über einen Lautsprecher genaue Anweisungen, was zu tun ist. Allerdings betonen die DRK-Vorsitzenden Thomas Ruckh und Rüdiger Trautmann, dass zu allererst der Notarzt gerufen werden sollte. Wenn der Notruf abgesetzt ist, sollte die Brust des Herzstillstandopfers freigemacht werden. Anschließend müssen zwei Elektroden auf die Brust geklebt werden.
Das Gerät erkennt dann, ob ein Herzstillstand vorliegt oder nicht. Grundsätzlich sei jeder Patient, der nicht mehr atmet, zu reanimieren, erklärt Trautmann. Falls das Opfer tatsächlich keine Herzfrequenz mehr hat, gibt das Gerät elektrische Impulse zur Wiederbelebung ab. Angst vor Stromstößen müssen die Helfer keine haben. Allerdings sollte der Ersthelfer vor Ort bis zum Eintreffen des Notarztes eine Herzdruckmassage zwischen den vom Defibrillator abgegebenen Stromstößen machen. Die auszuführenden Handlungen wurden aber vom Gerät genau angewiesen. Das Beatmen sei nicht mehr unbedingt notwendig, sagte Trautmann.
Dass mit der Ersten Hilfe nicht bis zum Eintreffen des Notarztes gewartet werden sollte, verdeutlichte der DRK-Vorsitzende Thomas Ruckh. Gesetzlich sei es vorgeschrieben, dass der Notarzt innerhalb von 15 Minuten vor Ort sein müsse. Allerdings würden bei einem Herzstillstand pro Minute rund zehn Prozent der Hirnleistung geschädigt, wenn keine Soforthilfe erfolgt. Jährlich fielen rund 100000 Menschen in Deutschland dem plötzlichen Herztod - weltweit wohl die häufigste Todesursache - zum Opfer, so Ruckh. Verantwortlich sei meist ein sogenanntes Kammerflimmern, das eine weitere Blutzirkulation im Körper und damit die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff verhindere.
Der DRK-Vorsitzende zitierte während der Inbetriebnahme des Defibrillators eine amerikanische Studie, nach welcher 74 Prozent der Patienten, die in den ersten drei Minuten nach ihrem Herzinfarkt an einen Defibrillator angeschlossen werden, überlebten. Doch die Überlebensfähigkeit sinke mit jeder Minute, in welcher nichts unternommen werde. Deshalb sei eine Verbreitung von Defibrillatoren wichtig.
Der DRK-Ortsverband Eislingen spare derzeit noch auf einen eigenen Defibrillator. Bei den momentanen Einsätzen müsse sich der Ortsverband einen Defibrillator von befreundeten Ortsverbänden leihen, erklärte Ruckh. Die Benutzung der Geräte sei heute Bestandteil eines jeden Erste-Hilfe-Kurses, erklärte Ruckh.
Ebenso wie die Sorge vor möglicher Falschbenutzung unbegründet ist, muss kein Ersthelfer rechtliche Konsequenzen fürchten. Im Falle eines Herzstillstandes wird die Einwilligung des Opfers zu eingeleiteten Erste-Hilfe-Maßnahmen gemäß Paragraph 34 des Strafgesetzbuches unterstellt. Wer dagegen bei einem Notfall untätig bleibt, kann durchaus gemäß Paragraph 323c des Strafgesetzbuches für seine unterlassene Hilfeleistung zur Verantwortung gezogen werden.


Kein Ersthelfer muss Strafe fürchten - Nichthelfer schon


Die Kosten für das Gerät belaufen sich auf 1100 Euro, wie der Oberbürgermeister Heininger mitteilte. Darüber hinaus habe der Behälter des Defibrillators weitere 500 Euro gekostet. Der Behälter ist beheizt, damit das batteriebetriebene Gerät auch im Winter funktioniert und der Behälter auch bei eisigen Temperaturen nicht zufriert.
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