Feine Formen zwischen Nebel und Licht

Voll grau und doch nicht grauenvoll - die Werke von James Howell.

Mit „Light Field“ eröffnete der Eislinger Kunstverein am Freitag mit Werken der Künstler Anne Blanchet und dem 2014 verstorbenen James Howell das neue Ausstellungsjahr. Die Werke der beiden Künstler lassen zwischen Raum und Licht die Grenzen des Sichtbaren verschwinden. Die Werke sind bis 12. März in der Galerie im Erdgeschoss der Alten Post zu sehen. Der Eintritt ist frei.



„Ich möchte mit Licht malen“, sagte Anne Blanchet während sie den vielen fragenden Besuchern erklärt, wie sie die feinen Linien auf die weißen Flächen bringt. Sie sind nicht gemalt, es sind die Schatten, die die Formen zaubern. Die Oberflächen der Werke werden dazu mit einem Laser bearbeitet. Sie fangen Licht ein, leiten es, reflektieren es und lassen mit subtilen Verläufen eine vermeintliche Dreidimensionalität entstehen. Zu sehen sind die Erhebungen hinter der Plexi­glasscheibe nämlich kaum. Blanchets Werke sind Illusionen der Räumlichkeit. Wie das genau funktioniert, das ist eine der großen Fragen am Abend der Ausstellungseröffnung.
Der Unterschied zur letzten farben- und formenprächtigen Ausstellung im Jahr 2016 könnte nicht größer sein, sagte Tina Stroheker während der offiziellen Begrüßung bei der Vernissage. Die neue Ausstellung ist von Weiß- und Grau­tönen geprägt.
Der im Jahr 2014 gestorbene Künstler James Howell befasste sich jahrzehntelang mit den verschiedenen Stufen von der Farbe Grau auf Acrylgemälden und auf Zeichnungen, erklärte der Sammler für konkrete und post-minimalistische Kunst, Carl-Jürgen Schroth, während seiner Eröffnungsrede. Auf den ersten Blick scheinen die Werke Howells graue monochrome Flächen zu sein. Bei näherer Betrachtung wechsele das Grau des Bildes jedoch. Dann zeigten sich feine Abstufungen von hell- bis dunkelgrau. Es könne der Blick auf einen See im Nebel sein, sagte der Kunstsammler Schroth. Seine Werke seien „verwoben mit der unfassbaren Weite“, so der Kunstsammler aus Soest. Howell lasse den Horizont verschwinden. Dass es immer die Farbe grau ist, das stört den Fachmann nicht, ganz im Gegenteil. „Jeder würde meinen, das ist trist und kalt. Aber eigentlich haben Sie alle Farben der Welt erlebt.“

Eine Bewegungsperformance des Ballettmeisters Charles Mudry


Neben den Werken der Künstler wartete die Ausstellungseröffnung mit zwei Überraschungen auf. Der Ballettmeister Charles Mudry habe sich dazu entschlossen, eine Bewegungsperformance zu den Arbeiten von Anne Blanchet zu entwerfen und diese während der Vernissage darzubieten, erklärte Tina Stroheker vom Kunstverein Eislingen. Dabei saß der Bewegungskünstler ruhig auf einem Hocker vor einem der Arbeiten Blanchets, die Augen geschlossen, und malte mit sehr langsamen Bewegungen feine Linien in die Luft. Im Verlauf der Vorstellung verschmolz der Künstler mehr und mehr mit den Werken an der Wand.
Die zweite Überraschung hatte Hans-Ulrich Weidmann in der Tasche: ein buntes Verdienstkreuz für Paul Kottmann, den langjährigen Vorsitzenden des Kunstvereins. Leider habe es trotz seiner Intervention in Berlin kurzfristig nicht mehr für ein Bundesverdienstkreuz gereicht, bedauerte Weidmann launig. Dafür habe er Kottmann ein buntes Verdienstkreuz aus Filz mitgebracht.
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